Wie ich einmal mit einem Handtuch die Sommerrodelbahn in Rättvik rutschte…

Das ist übrigens ein original-Henser-Sommerrodel aus dem Jahr 2004. Steuerfrau: Jule Henser. Anschieberin: Suse!

Es war im Sommer 2004, als in Dalarna amüsante Umstände zu meiner wohl außergewöhnlichsten Fahrt auf einer Sommerrodelbahn führten.

Ich war als Mitarbeiter mit dem CVJM Versmold auf eine zweiwöchige Schwedenfreizeit nach Ensro aufgebrochen – immer im Schlepptau: Mein bester Freund Philipp (so ein Freund, mit dem man Pferde stehlen könnte).

Wir zwei haben schon viel Lebenszeit darauf verschwendet, herauszufinden, wo die Grenze des Humors wohl liegt – den Schalk im Nacken gab es bei uns schon immer inklusive.

Wer andern eine Grube gräbt…

Auf der Busfahrt zur Sommerrodelbahn in Rättvik informierten wir die Jugendlichen per Busmikrofon darüber, dass seit diesem Sommer auf der Rodelbahn Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt würden, um die Sicherheit auf der Bahn zu verbessern. Die maximale Höchstgeschwindigkeit von 50 kmh dürfe nun nicht mehr überschritten werden und Strafzahlungen könnten fällig werden.

Zu Hause in Deutschland hatten wir bereits einen schwedischen Geschwindigkeitsüberschreitungsstrafbescheid (inklusive Rodelfoto, natürlich aus datenschutzrechtlichen Gründen mit unkenntlich gemachtem Gesicht und recht verpixelt) vorbereitet.

Auf der Rodelbahn überredeten wir einen bärtigen Mitarbeiter der Bahn, einen unserer Lieblingsrabauken nach der Fahrt rauszuziehen und ihn mit dem Strafbescheid in einem ärgerlichen Schwedisch zu konfrontieren. Philipp und ich eilten selbstverständlich herbei und halfen bei der Übersetzung, stellten den Rabauken zur Rede, übermittelten ihm die Höhe der Strafzahlung (2.000 schwedische Kronen) und konnten uns innerlich kaum halten vor Lachen.

Eine Viertelstunde später lösten wir die Situation auf – selbst einen üblen Rabauken kann man nicht so lange leiden sehen! Doch wer üble Scherze mit anderen treibt: Der muss auch ein dickes Fell haben!

… hat ein Grubengrabgerät…

Zwei Abende später bekamen wir Mitarbeiter dann einen freien Abend geschenkt. Hauptleitung Dirk (ja, mein Papa) machte einen Videoabend mit den Jugendlichen – und das Mitarbeiterteam durfte sich einen Abend lang vergnügen. Er empfahl uns eine kleine Pizzeria – und einen absoluten Obergeheimtipp! Man könne nämlich nachts heimlich mit der Sommerrodelbahn fahren – wenn man sich ein Handtuch mitnimmt und das als Schlittenersatz benutzt! Einziger Nachteil: Man muss halt zu Fuß den Hügel hinauf, weil der Lift nachts ja nicht fährt.

Wir packten also alle unsere Handtücher ein und nach einem vergnüglichen Abend in der Pizzeria fassten wir allen Mut zusammen und begaben uns zur Sommerrodelbahn. Die Stimmung im Team mischte sich aus dem Kribbeln vom Reiz des Verbotenen mit der Euphorie, eine einmalige Abenteuerfahrt zu erleben zu einer wunderbaren Melange.

Der Weg den Hügel raus ist übrigens echt lang. Wirklich! Gerade nachts!
Der Weg den Hügel raus ist übrigens echt lang. Wirklich! Gerade nachts!

Der Weg bergauf war hinreichend anstrengend – aber mit der Karotte einer Gratisabfahrt vor der Nase stapften wir eifrig und vorfreudig hinauf. Und dann konnte das Abenteuer beginnen! Ich wollte natürlich der Erste sein, schnappte mir mein Handtuch, legte es auf die Bahn, kletterte in die Röhre, setzte mich spannungsgeladen auf meinen Frottee-Bob und:

Es passierte nichts. Ja. Nichts. Gar nichts. Das Handtuch-Gefährt setze sich keinen Zentimeter in Bewegung. Keinen. Nicht mal einen Millimeter. Da half alles Schwung geben, alles hin und her wackeln mit dem Po, alles Handtuchfalten, befeuchten, sich umdrehen, Gewicht verlagern und rumwurschteln nichts. Es blieb bei einer ganz großen Portion „Nichts“.

Auch die bei den Leichteren aus der Gruppe. Auch an der steileren Stelle der Bahn. Nichts, nichts, nichts. Enttäuschung allenthalben.

… oder aber: fällt selbst hinein…

Wir packten also frustriert unsere Handtücher zusammen stapften den Hügel wieder herunter und machten uns ernüchtert auf den Heimweg. Ein toller Tipp war das!

Aber wir hatten es wohl nicht besser verdient… Dirk hatte uns eine wunderbare Retourkutsche für den Streich an unserem Rabauken verpasst – über die wir noch am selben Abend so schallend und herzlich lachen mussten, dass ich die Geschichte „Wie ich einmal mit einem Handtuch die Sommerrodelbahn in Rättvik rutschte…“ bis heute nicht vergessen habe und noch gerne in lustigen Runden erzähle.

Den Vermerk „Bitte nicht nachmachen“ kann ich mir an dieser Stelle vermutlich sparen. Schließlich macht es wirklich überhaupt keinen Spaß – und keinen Sinn – mit einem Handtuch die Sommerrodelbahn zu fahren.

Von diesen Häusern aus lohnt ein Tagesausflug zur Sommerrodelbahn in Rättvik:

 

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September 2018, Kategorien: Schweden, Allgemein

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