Die Sache mit dem Recht: Gruppenreiserecht verstehen

Wer als haupt- oder ehrenamtlicher Mitarbeiter eine Gruppenreise begleitet, steht in einer außergewöhnlichen rechtlichen Verpflichtung. Keine Angst dabei! Denn wenn du „recht-schaffend“ handelst, stehst du nicht mit einem Fuß im Gefängnis.

Die Fülle der Fragen ist riesengroß: Was beinhaltet der „Pauschal-Reisevertrag“? Welche Verpflichtungen gehst du ein? Was steckt hinter dem Begriff „Kindeswohl“? Wie steht es mit der Aufsichtspflicht? Was ist eine Schutzaltersgrenze? Was sagt das Gesetz zum Schutz der Jugend in der Öffentlichkeit? Wie ist das mit Schwimmaufsicht oder Klettertouren?  „Sicherungsschein“? Datenschutz? Erziehungsrecht? Aufenthaltsbestimmungsrecht? Erziehungsübertragung? Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit.

Gute Reiserechtliteratur hilft!

Wie kann man denn diese Fülle von Fragen beantworten? Zum Glück gibt es eine gute Praxishilfe, die rundum Auskunft gibt:

Wilka, Wolfgang / unter Mitarbeit von Peter L. Schmidt
Recht – gut informiert sein – Rechtsfragen in der christlichen Kinder- und Jugendarbeit
ISBN 9783866871489

Eine kleine Verständnishilfe zum „Gruppenreiserecht“

Um die rechtlichen Anforderungen auf ein gutes Maß zu bringen sind ein paar Voraussetzungen wichtig:

  1. Ihr solltet unbedingt „recht gut informiert sein“. Selbstverständlich müssen die oben genannten Begriffe in der Vorbereitung erklärt und geklärt werden. Denn: Unwissenheit schützt nicht vor Haftbarkeit. Und wer Verantwortung für andere übernimmt, muss sich der Tragweite seines Handelns bewusst sein.
  2. Ihr solltet das Recht „recht gut verstehen“. Nicht umsonst zählt die Rechtsprechung zu den Geisteswissenschaften wie die Theologie, Geschichte, Literatur, Musik, Soziallehre. Bei aller Festschreibung in Texten und Paragraphen gilt es immer, dem Geist des Gesetzes auf der Spur zu sein. Gesetzliche Vorschriften versteht man nicht als „Schikane“ sondern als „Geländer“, an dem entlang das Zusammenleben in großen und kleinen Gemeinschaften zu gestalten ist.
  3. Eine gute Organisation hilft, rechtlichen Vorschriften zu entsprechen. Ausführliche und verständliche Informationen für Eltern und Teilnehmer machen schon im Voraus klar, worauf zu achten ist und was dem Leitungsteam wichtig ist. Reiseinformationen, das Anmeldeformular und der „Freizeitpass“ mit Hinweisen auf besondere Vorhaben und gegebenenfalls gesundheitliche Einschränkungen sind unbedingt notwendige Dokumente. Vorlagen dazu gibt es bei vielen kirchlichen Regional- und Landesverbänden und auch im Internet.
  4. Klärt rechtliche Verantwortung des Trägers schon vor der Reise ab. Wer leistet Unterschriften? Wer ist im Krisenfall anzusprechen? Wer regelt die Finanzen?
  5. Sichert eventuelle Schäden ab. Die Angebote der Versicherer sind vielfältig und jeder entscheidet natürlich selbst, welche Versicherungen sinnvoll sind. Aus unserer Sicht solltet ihr unbedingt über Reiserücktritt, Haftpflicht (auch für geliehene Gegenstände) und die Auslands-Krankenversicherung nachdenken.

Natürlich sind wir nicht in der Lage, rechtsverbindliche Auskünfte zu geben. Für praktische Fragen im Umgang mit Problemen haben wir allerdings immer ein offenes Ohr.

 

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Dirk Henser, Jahrgang 58, ist Skandinavienfan durch und durch. Der Experte für Kinder- und Jugend­gruppen­reisen liebt einsame Häuser am Ende von Sackgassen mit ganz viel Natur drum herum. Wichtig sind ihm der Bolzplatz und ein einsamer Steg am stillen See in Reichweite. Dabei ist er selbst gar kein stilles Wasser. Er spricht fließend Schwedisch und weiß aus 20-jähriger Erfahrung als gemeindlicher Jugendreferent, was die Kollegen wie auch die Kids bewegt.

September 2019, Kategorien: Rechtliches

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